Impressionen aus Karthaus im Schnalstal
6. Juli 2010 | Vinschgau | Sehenswertes

Ehemalige Kirchen und Klöster, die zu ganz profanen Zwecken genutzt werden, sind nicht selten. Dass in ein Kloster hinein ein ganzes Dorf wächst, hingegen schon. Die Siedlung Karthaus im Schnalstal dürfte eines der ganz wenigen Beispiele dafür sein. Auf Schritt und Tritt entdeckt man im Dorf die Reste der Kartause Allerengelberg. Das bekannteste Motiv ist der Kreuzgang.

Nach der Auflösung des Klosters wurde die Anlage gestückelt und verkauft. Fortwährend wurden die Gebäude aus und umgebaut. 1924 brannte Karthaus fast vollständig ab. Bruchstücke wurden verbaut wie es gerade passend erschien, wie das gotische Fenstermaß im zweiten Foto. Aus der Not ist auf diese Weise unbeabsichtigt ein begehbares Gesamtkunstwerk entstanden.

Noch an seinem ursprünglichen Ort: Die vollgefressene Schlange aus dem Paradies (Foto 3) als Sinnbild für Völlerei, angebracht an der ehemaligen Paterkuchl. Die Ordensregeln legten den Karthäusern strenges Fasten auf. Ob sich die Mönche in der Abgeschiedenheit des Schnalstals tatsächlich daran gehalten haben oder es wie anderorts doch lockerer handhabten?

Innerhalb der Befestigung, die mit Schießscharten, hölzernen Wehrgang und Ecktürmen durchaus burgartig ausgestattet war, sorgten zeitweise mehr als 23 Bedienstete für das Wohl der maximal 15 Karthäuser (darunter zwei Laienbrüder, zuständig für den Weinkeller und die Apotheke). Im Süden und Osten ist der Mauerring (Foto 4) erhalten.

Ein Fahrrad lehnt an der ehemaligen Innenwand des Priorats (Foto 5). An den Wänden barocke Fresken, die seit der Restaurierung nach 1970 durch Glasplatten geschützt werden. Die Nutzung passt sich den Gegebenheiten an: Ein Torbogen schützt das Brennholz vor Regen, ein kleiner Streifen innerhalb der Mauern wird für einen Gemüsegarten genutzt (Foto 6).

Karthaus ist ein echter Geheimtipp für Menschen mit Interesse an Architektur, Kunst und Geschichte. Fotografen können sicherlich stundenlang immer wieder neue Motive entdecken. Was Gäste leicht vergessen könnten, aber immer im Hinterkopf behalten sollten: Das Dorf ist kein Freilichtmuseum. Daher die große Bitte, die Privatsphäre der Einwohner zu respektieren.
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