Vinschgau - Der rätische Teil Südtirols

12. Juni 2010 | |

Karte Churrätien

“Der Vinschgau, das breite Tal zwischen Burggrafenamt und Reschenpass, entspricht wohl am wenigsten dem gängigen Bild von Südtirol, bisweilen nimmt seine Landschaft einen fast fremdartigen Charakter an”, liest man im Dumont Kunstreiseführer zu Südtirol. Fremdartig klingen auch viele der Orts- und Flurnamen, die beispielsweise Graun, Glurns, Partschings oder Kurtatsch lauten. Sie gehen meist auf keltische oder rätoromanische (Karte Churrätien im Mittelalter von Marco Zanoli) Bezeichnungen zurück.

Rätoromanisch, das war auch die Umgangssprache im dünn besiedelten Vinschgau noch im 17. Jahrhundert. Im oberen Vinschgau, beispielsweise Taufers oder Nauders, hat sich die aus dem Lateinischen entwickelte Sprache sogar noch bis ins 19. Jahrhundert behaupten können, ehe sie auch hier vom Deutschen verdrängt wurde. Im Schweizer Teil des historischen Vinschgaus ist das Rätoromanische noch Amtsprache. In oberen Vinschgau hatte Deutsch erst mit Gründung der Abteil Marienberg um das Jahr 1160 Einzug gehalten.

Fränkischer Adeliger

Im Vinschgau – als Teil Churrätiens – hatte die römische Verwaltungsstruktur die Völkerwanderungszeit (Foto: Fränkischer Adeliger in St. Benedikt, Burgeis) überdauert, Langobarden und Franken ließen diese unangetastet. Das Zentrum war Chur, von wo aus bereits seit der Spätantike aus die Provinz Raetia prima regiert wurde. Erst im 12. Jahrhundert fiel die Grafschaft Vinschgau an die Grafen von Tirol, wobei jedoch der Bischhof von Chur weiterhin weltliche Rechte im Vinschgau für sich beanspruchen konnte. Kirchlich blieb der Vinschgau bis 1816 bei Chur.

Die kulturellen Wurzeln des Vinschgau lassen sich nicht nur an den bereits erwähnten Ortsbezeichnungen ablesen, auch an den Patrozinien der Kirchen erkennen: Prokulus, Sisinius, Karpophorus oder Medardus sind die Heiligen, denen die Gotteshäuser geweiht sind und mit denen heute, ausser Kirchenhistorikern, wahrscheinlich kaum jemand etwas verbinden kann.

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